Neunmonatszahlen – Bei Vonovia Sprudeln Die Mieteinahmen

Für Vonovia laufen die Geschäfte dank steigender Mieten in den Metropolen und seiner jüngsten Zukäufe weiter gut. Deutschlands größter Immobilienkonzern stellt starke Neunmonatszahlen vor. Der Chef Rolf Buch äußert sich auch zum Streitthema Modernisierungen. Das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) stieg in den ersten neun Monaten ohne Berücksichtigung der übernommenen österreichischen Buwog um 12,7 Prozent auf 778,2 Millionen Euro. Im vorjahr waren es noch 690,5 Millionen gewesen. Für das Gesamtjahr bekräftigte Vonovia-Chef Rolf Buch seine Prognose. Demnach soll das Ergebnis um rund 15 Prozent überm Wert von 2017 liegen bei 1,05 bis 1,07 Milliarden Euro. 2017 hatte der Konzern, der rund 400.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden bewirtschaftet, einen FFO von 920,8 Millionen Euro eingefahren. Es sei geplant, der Hauptversammlung im Mai 2019 eine Dividende in Höhe von 1,44 Euro je Aktie vorzuschlagen, erklärte Buch. Das entspricht kontrastiv 2017 einem Plus von 0,12 Euro.

Sie verwarfen jede Zurückhaltung, obwohl sich das Staatskonto damals tief rot färbte. Sie wollten das Steuersystem radikal vereinfachen, Wirtschaft und Verbraucher dabei um Dutzende Milliarden entlasten. Es regierte das Prinzip Hoffnung. Langfristig würde sich ihre Reform selbst finanzieren, hofften sie. Eine ordentliche Entlastung würde die Wirtschaft anschieben, die Steuereinnahmen würden sprudeln, die Etatlücken schlössen sich reflexartig, so ihre Argumentation. Die Ideen für die Radikalreformen entstanden meist weit entfernt vom hektischen Politbetrieb der Hauptstadt, per exemplum in Heidelberg, unauftrennbar Institut der Universität, das in einer malerischen Altbauvilla residiert. Die Haustür steht weit offen, durch die geöffneten Fenster weht warme Sommerluft, die hellen Vorhänge bauschen sich im Wind. Es herrscht ein lichtes Haus, in dem Paul Kirchhof seine Arbeitstage verbringt. Frischen Wind wollte er vor Jahren auch in die Steuerpolitik bringen. Für ihn ist das eine Lebensaufgabe. An heißen Tagen empfängt Kirchhof seine Gäste in hellem Leinenanzug, den Kaffee serviert er im Porzellankännchen, die Pralinen auf einem Schälchen mit Goldrand. Verglichen mit den zaudernden Reformern topaktuell ist der 73-Jährige, allen gepflegten Manieren trotz, ein Punk – einer, dessen radikale Ideen nichts weniger als Gesamteindruck System auditieren. Kirchhof wurde vor auffallend zehn Jahren bekannt, weil er ein Steuerkonzept entwickelt hatte, das in seiner revolutionären Schlichtheit Heere von Steuerberatern arbeitslos gemacht hätte. Statt mit 33 000 Vorschriften könnte der Staat mit 146 Paragrafen auskommen, statt mit auffallend 30 Steuerarten mit 4, schlug er vor. Den Tarifverlauf der Einkommensteuer wollte Kirchhof durch einen Einfachtarif ablösen, der bei 25 Prozent liegen sollte.

Trotzdem stünden die Restriktionen einer groß angelegten Steuerreform nicht im Wege, glaubt Kastrop. Die immensen Einnahmeausfälle ließen sich durch „intelligente Umbauten im Steuersystem“ verringern. Zwei Stellschrauben bieten sich seiner Einschätzung nach vor allem an, ums Geld anderswo zumindest in einzelnen Fällen wieder hereinzuholen. Beide Steuern gehandelt werden als politisch schwierig, wie erst kürzlich wieder zu beobachten war. A fortiori Familienunternehmen stemmen sich mit Macht gegen jede Änderung bei der Erbschaftsteuer. Eine höhere Mehrwertsteuer kommt in der Bevölkerung nicht gut an, weil sie im Ruf steht, umso mehr Geringverdiener zu belasten, die große Teile ihres Einkommens ausgeben. Mehrwert- und Erbschaftsteuer sind Dauerbaustellen der deutschen Finanzpolitik und ein steter Quell für Ärger und Streit. Immer und ewig verdonnerte das Bundesverfassungsgericht die Regierung dazu, das Gesetz über die Erbschaft- und die Schenkungsteuer nachzubessern, weil seine Bestimmungen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar waren. Immer stießen sich die Karlsruher Richter daran, dass unterschiedliche Vermögen vorm Gesetz nicht gleich behandelt wurden.

Der Unmut könnte allerdings gelindert werden, wenn Firmen wie Familien und Kleinverdienern Entlastungen bei der Einkommensteuer in Aussicht gestellt werden. Die Beispiele zeigen, dass im Zusammenhang des bestehenden Steuersystems erhebliche Potenziale schlummern. Mit nicht wenige Bewegungen an einer überschaubaren Zahl von Stellschrauben ließen sich erhebliche Wirkungen erzielen. Selbst eine vermeintlich gigantische Steuersenkung erscheint nicht mehr utopisch, wenn verschiedene Elemente kombiniert würden. Dafür plädiert OECD-Experte Kastrop. Warum nicht die Einkommensteuer endlich modernisieren, wenn im Gegenzug Mehrwertsteuer und Erbschaftsteuer nur moderat zulegen müssten? Stiege die Mehrwertsteuer neben Verschiedenem um 2 Prozentpunkte auf künftig 21 Prozent und würde eine allgemeine Erbschaftsteuer von 10 Prozent auf alles eingeführt, ergäbe sich bei einer Entlastung von zehn Milliarden Euro ein Finanzierungsvolumen von 50 Milliarden Euro. Mit diesem Geld ließe sich weit mehr erreichen als nur die Begradigung des Mittelstandsbauchs. Die Operation könnte zudem eine ganze Reihe erfreulicher Nebenwirkungen entfalten. Studien belegen, dass ein solches System das Wachstum stärker befeuert als das gegenwärtige, das sich umso mehr auf direkte Steuern stützt. Der Grund: Ein Staat, der Gewinne und Einkommen weniger belastet, liefert unmittelbare Anreize für Unternehmen und Arbeitnehmer, mehr zu arbeiten oder zu investieren.

Ums zu verhindern, setzen mehrheitlich Reformüberlegungen bei der Einkommensteuer an. Dort hat sich der größte Korrekturbedarf aufgestaut. Warten sollte die nächste Bundesregierung dabei aber nicht. Vielmehr bietet die Einkommensteuer einen guten Ausgangspunkt, um große Teile des Steuersystem zu erneuern. Schließlich geht’s nicht nur um Staatseinnahmen und Wirtschaftswachstum, sondern auch um Gerechtigkeit. Wer heute jemanden finden will, der sich ernsthaft und systematisch über die Zukunft des deutschen Steuersystems Gedanken macht, muss ins Ausland fahren. Dort hat die Einrichtung und Entwicklung ihren Sitz, abgekürzt OECD. Sie ist eine Art ökonomische Denkfabrik, die sich 35 Industriestaaten leisten. Das Gebäude, ein Zweckbau aus den Sechzigerjahren, wirkt wie ein Fremdkörper in den Straßen des großbürgerlichen Vororts Passy. Die Bürotrakte verdecken ein kleines Chateau, das einst die Rothschilds nutzten. Heute ist es Sitz der OECD-Spitze. Christian Kastrop, 56, promovierter Ökonom aus Deutschland, leitet die Abteilung für politische Studien. Sein Schreibtisch glänzt aufgeräumt, dafür stapeln sich auf der Fensterbank Papiere und Bücher. Ganz obenauf liegt „Die Finanzkrise des Steuerstaats“ von Rudolf Goldscheid und Joseph Schumpeter, ein Klassiker der politischen Ökonomie. Kastrops Abteilung beschäftigt sich nicht mit einzelnen Volkswirtschaften, ihr Blick richtet sich auf allgemeine Probleme.

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